Mudras
Mudras sind Jahrtausende alte HAND UND FINGERHALTUNGEN, die Körper, Geist und Seele gut tun.
Was sind Mudras?
Der Begriff stammt aus dem Sanskrit, der heiligen Sprache der Hindus und bedeutet so viel wie "Siegel, das Freude bringt" . Mudras sind symbolische Handgesten die in Religion, Ritualen und Tanz verwendet werden. Gesten und Handhaltungen mit besonderer Bedeutung findet man auf der ganzen Welt. In Indien wird den Mudras seit Jahrtausenden besondere Bedeutung für Spiritualität und Gesundheit zugesprochen. Unter Mudras versteht man auch Augen und Körperhaltungen, wir beschränken uns hier aber auf die Hände. Wenn man im Alltag die eigenen Hände und die der Mitmenschen beobachtet, fällt auf, dass fast jeder Mensch Gesten zur Kommunikation einsetzt und immer wieder unbewusst Mudras bildet.
Wie wirken Mudras?
Es gibt verschiedene Erklärungen , warum Mudras wirken. In den Energie - Lehren der asiatischen Länder, ob in Indien, China oder Japan, laufen Energiebahnen durch die Finger und finden hier ihre Anfangs oder Endpunkte. Durch die Stimulation dieser Punkte kann die Lebensenergie fließen und zu den betreffenden Organen oder Körperteilen geleitet werden. Ähnlich funktioniert die Reflexion - Theorie: Wie die Füße spiegeln auch die Hände den gesamten Körper, eine sanfte Stimulation kann so den ganzen Organismus beeinflussen. Selbst mit einer westlich- medizinischen Erklärung kann die Wirkung der Mudras nachvollzogen werden: Die Enden der tausenden Nervenbahnen in den Händen beanspruchen einen besonders großen Bereich im Gehirn. Dass Anregung der Finger und Hände zu vermehrter Aktivität im Gehirn führt, ist nahe liegend. Mudras helfen Stress abzubauen, sich zu sammeln und Kraft zu tanken. Sie ersetzen aber selbstverständlich keine ärztliche Behandlung.
Wir werden die Mudras gehalten?
Eine kurze Handmassage dient der Einstimmung. Wenn man die Finger zu einer Mudra zusammenführt, sollte man sich vorstellen, dass sie wie Magneten sanft voneinander angezogen werden. Das Wichtigste dabei ist, keinen Druck auszuüben. Mudras können mehrmals am Tag gehalten werden, von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde, je mach Zeit, Lust und gewünschter Intensität. Es empfiehlt sich, eine Mudra zwei - bis dreimal täglich über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen zu praktizieren. Achten Sie während der Ausführung auf Ihren Atem und Ihre Haltung, egal ob Sie die Mudras im Sitzen, Stehen, Liegen oder gehen formen. Jeder Mensch - auch jeder alte und kranke Mensch - kann Mudras halten.

Jnana Mudra
Jnana-Mudra: Berührt der Daumen den Zeigefinger, so werden der Kreislauf, der Tastsinn, das Nervensystem und das Gehirn stimuliert. Man kann bei regelmäßigem Praktizieren damit Schlaflosigkeit, Gedächtnismangel und Depressionen beheben. Es erhöht die Intelligenz und eröffnet neue spirituelle Horizonte. Verschiedene Quellen berichten über andauernde Glücksgefühle.
Varun Mudra
Varun - oder Svadhisthana Mudra, so genannt, weil man mit dieser Stellung das zweite Chakra harmonisieren kann. Bei der Berührung des Daumens mit dem kleinen Finger wird der Geschmacksinn stimuliert und dem Körper das Element Wasser zurückgegeben. Das Fehlen dieses Elementes zeigt sich durch trockenen Mund, rote und trockene Augen und der Fehlfunktion der Nieren.
Prithvi Mudra
Prithvi - oder Muladhara Mudra ist das Mudra, mit dem man das Basischakra harmonisieren kann. (Um mehr über Chakren zu erfahren, empfehle ich Chakrahealing, meine Klangschalen-Seite). Berührt der Ringfinger den Daumen, kräftigt dies die Fingernägel, Haare, Muskeln, Knochen, strafft die Haut und entwickelt den Geruchssinn. Es kann auch Magenverstimmungen heilen und hinterläßt ein länger andauerndes Glücksgefühl.
Shunya Mudra
Shunya Mudra ist ein Mudra, das Schmerzen am Ohr oder Probleme mit dem Gehör heilt. Selbst Schwerhörigkeit soll mit diesem Mudra geheilt werden können. Es eignet sich auch bei Rachen und Nasenproblemen.
Prana Mudra
Wenn Sie Energie tanken wollen, benutzen Sie das Prana Mudra. Der kleine Finger und der Ringfinger berühren sich. Mit der Daumenkuppe wird die Verbindung zu diesen zwei Fingerkuppen hergestellt. Das Ergebnis bei regelmäßiger Durchführung sind: Vitalität des Körpers, innere Klarheit, Zunahme der Sehschärfe und Senkung des Blutdrucks bei Menschen, die zu hohem Blutdruck neigen.
Apana Mudra
Das Apana Mudra säubert und entgiftet den Körper. Es hilft bei Nieren- und Darmproblemen. Der Körper wird entschlackt, die Blase entleert, die Menstruation in Gang gesetzt. Selbstbewustsein, Geduld und innere Harmonie sind Begleiterscheinungen dieser Mudra-Übung.
Die im folgenden aufgezählten Mudras sind jene, die man immer wieder bei Buddha-Statuen, Bodhisattva-, Guru- und Göttheitenbildern wiederfindet.

Dharmachakra Mudra
Hier handelt es sich um zwei ineinandergelegte Jnana-Mudras, wobei Mittelfinger und Ringfinger der linken Hand den Daumen der rechten Hand ebenfalls berühren. Die Erklärung im Buddhismus lautet: Das Dharmachakra representiert das Rad des Dharmas oder die Verbindung von Weisheit und Methode. Die drei verbleibenden Finger an jeder Hand bleiben gestreckt. Dabei representiert der mittlere Finger der rechten Hand den, der zuhört. Der Ringfinger steht für den, der erkennt, der kleine Finger steht für das Mahayana (das große Fahrzeug, eine der beiden Hauptströmungen des Buddhismus). Die drei gestreckten Finger der linken Hand stehen für die drei Juwelen des Buddhismus, den Buddha, das Dharma und die, die ihm folgen.
Das Dharmachakra-Mudra wird immer vor dem Herzen gehalten. Dieses Mudra soll beim Aspiranten die Täuschung des begrenzenden Verstands durch die Weisheit der Wahrheit ersetzen.
Bhumisparsha Mudra
Bhumisparsha heißt übersetzt: die Erde berühren. In Kombination mit der linken Hand, die in der Position des Dhiana Mudra liegt, symbolisiet diese Haltung die Vereinigung von Samsara (die phenomenale Welt) und Nirvana (die allgegenwärtige Essenz des Daseins) oder die Vereinigung von relativer und absoluter Wahrheit.
Varada- und Vitarka Mudra
Das Varada Mudra symbolisiert Nächstenliebe, Mitgefühl und das Gewähren von Wünschen. Es wird immer mit der rechten Hand ausgeführt. Der, der es ausführt, hat sich entschlossen, der Menschheit auf ihrem Weg zur Erleuchtung zu helfen. Die fünf ausgestreckten Finger stehen für die fünf Charaktereigenschaften, die es zu kultivieren gilt: Wohlwollen, Moral, Geduld, Einsatz und meditative Konzentration. Das Varada Mudra transformiert Stolz zur Erkenntnis, daß unser aller Wesenskraft die gleiche ist.
Vitarka Mudra (Jnana Mudra) wird als Diskussionsgeste erklärt. Sie steht für die Lehre des Buddhas. Buddha selbst benutzte sie immer bei seinen Reden.
Dhiana Mudra
Das Dhiana Mudra kann mit einer Hand oder mit beiden Händen durchgeführt werden. Bei einer Hand wird die Linke in den Schoß gelegt, während die rechte jedes andere Mudra einnehmen kann. Rituelle Objekte wie z.B. Buch oder Schüssel können in die Hand gelegt werden. Das Dhiana Mudra ist die Geste der Meditation. Wenn mit beiden Händen durchgeführt, werden die Hände auf der Höhe des Bauches gehalten. Die rechte Hand wird über die linke gelegt, beide mit den Handflächen nach oben. Die Daumen können sich dabei an den Spitzen berühren und bilden damit ein mystisches Dreieck, dem von vielen esoterischen Sekten große Bedeutung zugesprochen wird, unter anderem soll es das mystische Feuer representieren, das alle Unreinheiten verbrennt. Das Dhiana Mudra transformiert jede seelische Anhaftung in die klare Wahrnehmung.
Abhaya Mudra
Abhaya heißt übersetzt Furchtlosigkeit. Das Mudra symbolisiert Schutz, Frieden und die Auflösung der Furcht. Es wird mit der rechten Hand durchgeführt, die auf Schulterhöhe angehoben wird. Die Handfläche weist nach vorn, die Finger bleiben geschlossen und gestreckt. Das Mudra soll Eifersucht in Erfüllung transformieren.
Tantrische Gottheiten und Buddhas bevölkern die tibetischen Bilder. Man findet die Gottheiten gemalt, geschnitzt, getöpfert, aus Stein gehauen, aus Metall gegossen und in vielen anderen Formen. Seit tausenden von Jahren ist es für einen Tibeter eine ehrenvolle Aufgabe, die Götter in der ein oder anderen Form darzustellen. In der Darstellung der individuellen Merkmale der Gottheit hat der Künstler jedoch keine Freiheiten. Zu den Gottheiten gehören immer spezielle Symbole, Gegenstände, Körperhaltungen und Kleidungsstücke. Hier steckt die eigentlich Botschaft der Ahnen an die nachfolgenden Generationen: Kenne die Symbolik, meditiere darüber und eigne sie dir an. Ein ganz wichtiger Aspekt sind dabei die Mudras, die Stellung der Finger und Hände. An dieser Stelle will ich dazu eine kurze Einführung geben.
An der Spitze eines Fingers befinden sich etwa 4000 Nervenfasern, die im Kontakt mit den Organen und dem Zentralnervensystem stehen. Finger-Mudras wirken auf dem Weg der Akupressur. Die Anwendung erfolgt mehrmals täglich für 15 Minuten. 5 Stunden sollten zwischen der Ausführung zweier Mudras liegen.
Literatur:
Ingrid Ramm-Bonwitt "Mudras- Geheimsprache der Yogis",
Gertrud Hirschi "Mudras, FingerYoga für Gesundheit, Vitalität und innere Ruhe",
Sabrina Mesko "Heilende Mudras",
Andrea Christiansen "Mudras".


Shakyamuni Buddha