Atemübungen

Einführung

Die Welt, hier insbesondere der Osten, kann auf eine jahrhundertelange Tradition der Beschäftigung mit den inneren Zuständen des Geistes zurückblicken. Über viele Jahrhunderte wurden Techniken, mit denen die eigenen Gedanken gezügelt und kanalisiert werden können, entwickelt und verfeinert und von Lehrern an deren jeweilige Schüler weitergegeben. Heute steht dieses Wissen nicht mehr nur wenigen Eingeweihten in diesem Kulturkreis zur Verfügung, sondern kann auch von Dir genutzt werden.

Was wir normalerweise nicht bewusst beherrschen, ist der Vorgang des Ausatmens. In vielen Situationen, in denen wir normalerweise Stress empfinden, atmen wir unwillkürlich stark ein und pumpen dadurch unsere Lungen gewaltsam mit Luft voll. Ein Beispiel: läuft unter der Dusche plötzlich nur mehr kaltes Wasser, schnappt man instinktiv nach Luft, spannt die Muskeln an. Das aber verstärkt das unangenehme Gefühl nur. Atmet man statt dessen langsam und gleichmäßig aus, wird man erstaunt bemerken, dass einem die Temperatur des Wassers kaum mehr etwas ausmacht. Die Atmung hilft dem Körper, sich Veränderungen anzupassen. Auf der anderen Seite hat jede Störung des natürlichen Atemrhythmus auch eine Störung im gesamten Organismus zur Folge, die sich wissenschaftlich einwandfrei nachweisen lässt.

Wenn eine Anstrengung Sie außer Atem kommen lässt, gibt es einen einfachen Weg, den Atem wieder zu normalisieren. Atmen Sie schneller, hecheln Sie für ein paar Sekunden wie ein Hund. Dann atmen Sie ein paarmal tief und leicht ein, hecheln wieder und nehmen ein paar volle Atemzüge. Das wird Ihren Atem viel schneller beruhigen, als gewaltsame Anstrengung, normal zu atmen.

Eine andere Möglichkeit, Stress, Anspannung oder schlechte Stimmungen zu überwinden, ist folgende: Geben Sie die Schulterblätter so nahe zusammen, wie es ohne Überanstrengung möglich ist, dann atmen Sie sanft und vollständig aus. Pausieren Sie, danach atmen Sie mit einem tiefen, langsamen, sachten Atemzug ein, bis die Lungen angenehm gefüllt sind. Atmen Sie langsam mit einem langen Seufzer durch die Nase aus, ohne die Stellung der Schulterblätter zu verändern.

Es gibt viele Folgeerscheinungen des richtigen Ausatmens - aber die bedeutendste davon ist wohl erhöhte Bewusstheit.

Richtiges und bewusstes Atmen ermöglicht eine Umstellung unserer täglichen Gewohnheiten - beispielsweise bringt es eine bewusstere Körperhaltung mit sich. Sie beginnen, gewahr zu werden, dass man nicht "zusammengesunken" sitzen und dabei gut atmen kann. Mit einer offenen Haltung des Brustkorbs wird die gesamte Bauchregion von unnötigem Gewicht und Druck befreit, das Zwerchfell kann wieder so bewegt werden, wie die Natur es vorgesehen hat und das Atmen fällt leichter, nicht mehr das gesamte Gewicht von Rippen und Brust gehoben werden muss. Diese Energie steht nun für andere Dinge zur Verfügung!

Uebrigens stammen Yoga, Tai Chi, Ayurveda vom Tantra ab, sollten Sie also Aehnlichkeiten entdecken - é voilà

Pranayama – Wechselatmung

Durch Prana leben die Götter, Menschen und Tiere. Prana ist wahrlich das
Leben der Wesen. Deshalb nennt man es das universelle Leben oder das
Leben aller.

Prana ist das universelle Prinzip von Energie und Kraft. Es ist Lebenskraft. Es ist
alldurchdringend. Es kann statisch oder dynamisch sein. Es findet sich in allen
Formen, z.B. von der Elementarform pflanzlichen Lebens zur entwickelten Form
tierischen und menschlichen Lebens.

Prana ist die Kraft auf jeder Seinsstufe, von der höchsten bis zur niedrigsten.
Alles, was sich bewegt, aktiv ist oder Leben besitzt, ist nur ein Ausdruck oder
eine Erscheinungsform von Prana.

Das Strahlen Deiner Augen ist Prana. Durch die Kraft des Pranas hören die
Ohren, sehen die Augen, fühlt die Haut, schmeckt die Zunge, riecht die Nase
und erfüllen Gehirn und Verstand ihre Funktionen.
Das Lächeln einer jungen Frau, die Melodie in der Musik, die Kraft in den
begeisternden Worten eines Vortragenden, der Zauber in den Worten des
Geliebten, all das beruht auf Prana. Feuer brennt durch Prana. Wind weht
durch Prana.

Die Wechselatmung ist in Südasien eine der wichtigsten und am häufigsten angewendeten Atemübungen. Sie kann im Liegen oder Sitzen angewendet werden, aber auch bei kurzen Wartezeiten oder in Stresssituationen.

Achten Sie auf aufrechte Haltung, vermeiden Sie es, wenn möglich, sich anzulehnen. Nun beugen Sie Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand, so dass Sie mit Daumen und Ringfinger die Nasenlöcher verschließen können.

Atmen Sie vollständig aus.

Schließen Sie das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen. Atmen Sie durch das linke Nasenloch tief (aber nur mit dem Bauch) ein. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie neue Kraft, Licht und Energie in die ganze Körperhälfte atmen, und zwar vom Nasenloch bis zum Fuß.

Halten Sie die Luft ein paar Sekunden an. Schließen Sie dafür beide Nasenlöcher mit Daumen und Ringfinger. Konzentrieren Sie sich dabei auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Stellen Sie sich dort ein Licht vor.

Öffnen Sie das rechte Nasenloch. Atmen Sie durch es vollständig aus. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie die ganze rechte Körperhälfte leeren und ganz entspannen.

Atmen Sie rechts tief (aber nur mit dem Bauch) ein. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie neue Kraft, Licht und und Energie in die ganze Körperhälfte atmen, und zwar vom Nasenloch bis zum Fuß.

Halten Sie die Luft ein paar Sekunden an. Schließen Sie dafür beide Nasenlöcher mit Daumen und Ringfinger. Konzentrieren Sie sich dabei auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Stellen Sie sich dort ein Licht vor.

Öffnen Sie das linke Nasenloch. Atmen Sie durch das linke Nasenloch vollständig aus. Stellen Sie sich dabei vor, dass Sie die ganze linke Körperhälfte entleeren und ganz entspannen.

Dies ist eine Runde.

Wenn Sie wollen, schließen Sie hier ab, und fühlen Sie, wie Sie ruhig geworden sind. Sie können natürlich auch ein paar Runden anhängen, führen Sie aber, wenn Sie die Übungen noch nicht gewohnt sind, maximal 5-10 Wiederholungen durch.

Als Anfänger brauchen Sie dabei keinem besonderen Rhythmus zu folgen.

Atmen Sie vielmehr so lange ein und aus, wie es Ihnen angenehm erscheint.

Wichtig ist vor allem die Konzentration auf das "Entspannen und Aufladen" der beiden Körperhälften.

Ziel der Übung: Entspannung, Zentrierung, Konzentration.

Dauer der Übung: 2-20 min.

Wann sollten Sie diese Übung nicht durchführen oder abbrechen: wenn Sie unter massiver seelischer Belastung stehen, Ihnen die Kontrolle Ihres Atems Angst macht oder Sie die Kontrolle über Ihren Atem verlieren, wenn Sie das Gefühl haben, nicht mehr genug Luft zu bekommen oder sich Hyperventilation einstellt (Gefühl des Vibrierens und Kribbelns, hohe Atemfrequenz, Angst- oder Panikgefühle), oder wenn unangenehme Bilder in Ihnen aufsteigen.

Feueratem

Der Feueratem ist hervorragend geeignet, um körperlich und geistig frisch zu werden. Er reinigt das Blut, steigert die Hormonproduktion und generiert viel Lebensenergie.

Atem ist Lebensenergie !!!

Die Kultivierung des Atems ist ein wichtiger Teil von Tantra. Der Atem ist ein profunder Stressabbauer und Energielieferant. Da der "Tantrische Feueratem" ein starker Eingriff in den Atemvorgang ist, solltest du unbedingt Folgendes beachten:

Bei schweren Kreislaufproblemen, bronchialen Problemen und Herzrythmusstörungen darf der "Tantrische Feueratem" nur in Absprache mit dem Arzt/Heilpraktiker geübt werden.

Meditiere vor Beginn der Übung mindestens fünf Minuten lang an einem sauberen, abgeschiedenen Platz. Der Geist sollte zur Ruhe kommen und voll konzentriert werden.

Bereite dich durch zweiminütiges ruhiges, entspanntes Atmen - bei geschlossenen Augen - auf die Übung vor.

Beachte:

Einatmen - Bauchdecke nach vorne gehen lassen.

Ausatmen - Bauchdecke sanft nach innen ziehen.

Öffne ein Fenster, sodass der Raum von viel Sauerstoff erfüllt ist

Tantrischer Feueratem

(Gesamtübungszeit: 25 Minuten)

Setze dich aufrecht auf einen Stuhl oder auf den Boden (Schneidersitz). Die Wirbelsäule ist gestreckt, die Schultern locker, das Brustbein ganz leicht angehoben. Lege eine Hand auf den Bauch, die andere auf die Brustmitte. Der Ein- und Ausatem fließt ruhig und gleichmäßig durch die Nase.

Während des Einatems zählst du innerlich still von eins bis vier und hältst dann kurz den Atem an. Ausatmend zählst du ebenso von eins bis vier. Wiederum hältst du den Atem für einen Moment an. Setze diese Atmung zwei Minuten fort.

Richte den Blick zur Nasenwurzel und spreche oder singe neun mal das Mantra Sa Ta Na Mmaa. Die Silben werden langgezogen: Saaaa - Taaaa - Naaaa - Mmmaaaa. Sa bedeutet: Geburt. Ta heißt: Leben. Na wird übersetzt mit: Tod. Und Ma bedeutet: Wiedergeburt.

Atme nun einmal lang ein und leicht seufzend aus. Der folgende Einatem (ab jetzt auf jeden Fall durch die Nase atmen!) soll tief und schnell sein. Dabei wird der Bauch nach vorne und außen gedrückt.

Beim nächsten ebenso tiefen und schnellen Ausatmen, wird die Bauchdecke zügig eingezogen.

Diese kraftvolle Pumpbewegung wird nun drei Minuten lang fortgesetzt. Am Anfang etwas langsamer (Eine Sekunde Einatmen, eine Sekunde Ausatmen), dann schneller (Eine Sekunde Ein- & Ausatmen).

Die Bauchdecke, auf der die eine Hand weiterhin liegt, schwingt rhythmisch hin und her.

Der Brustkorb bleibt möglichst ruhig und unbewegt. Ziehe das Kinn ein wenig Richtung Schlüsselbeinkuhle heran. Lege als Anfänger den Atemschwerpunkt auf die Ausatmung. Am Ende des Ausatmens geschieht das Einatmen fast von allein, wobei die du Bauchdecke vorschnellen lässt.

Hinweis: Wenn es dir sehr schwer fällt, diese Übung im Sitzen durchzuführen, kannst du sie behelfsweise auch im Liegen auf einer bequemen Unterlage durchführen.

Abschlussmeditation. Lege die linke Hand auf den Bauchnabel und atme ganz ruhig und gleichmäßig. Konzentriere dich auf den Nabel als deinen Körpermittelpunkt. Spüre ihn als den zentralen Punkt deines Körpers.

Nach einer halben Minute summe oder singe drei mal das Mantra OM.

Aussprache: OoooooMmmmmmmmm.

Während des Übens konzentriere dich auf deinen Körper und respektiere seine Grenzen.

Bist du ungeübt, kann dein Körper vielleicht nur ein gewisses Maß an Energie aufnehmen. Keine Sorge, das ändert allmählich sich bei regelmäßigem Training.

Steuere das Tempo beim Atmen so, dass du dich nicht überanstrengst und nicht stark hyperventilierst. Setzt starkes Kribbeln in den Händen oder in den Lippen ein, atme deutlich langsamer weiter bis zum Ende der drei Minuten.

Bei Versteifung der Fingerspitzen, atme ebenfalls flacher und bewege die Hände kräftig. Diese Begleiterscheinungen verschwinden in der Regel nach ein paar Minuten und sind ungefährlich.

Wirkungen des Tantrischen Feueratems

  • Reinigung des Blutes
  • Entschlackung
  • Stimulation des Sonnengeflechts
  • Säuberung der Lungen
  • Kräftigung der Bauchmuskeln
  • Optimierung des Zwerchfelltonus
  • Harmonisierung des Nervensystems
  • Regulierung des Blutdrucks
  • vermehrte Entstehung von Alpha-Wellen im Gehirn (Spannungsauflösung)
  • Anregung und Harmonisierung der Drüsenfunktionen
  • Energieaufladung
  • Regulierung des Säure/Basen-Gleichgewichts
  • Verbesserung der Kreislauffunktion
  • Stärkung der Funktion der Nasen- & Rachenschleimhäute (Erkältungsabwehr)
  • Klärung des Denkens
  • Aggressionsverminderung
  • Kühlung und Belebung des Kopfbereichs
  • Aufladung der Aura und der feinstofflichen Zentren
  • Anregung der Kundalini-Kraft

Strömungsatem

Für die Anwendung gelten die gleichen Warnhinweise wie beim Feueratem.

Am Anfang solltest du bei dieser Übung nicht länger als 1 oder 2 Minuten mit dem Strömungsatem arbeiten, da es sehr intensiv emotional reinigend ist.

Lege dich entspannt hin.

Sorge dafür, dass du ungestört bist.

Nimm zuerst einige ruhige Atemzüge und räkele dich einen Moment auf der Unterlage.

Stelle die Beine auf der Unterlage auf. Dies steigert den Energiefluss in den Sakralbereich (untere Wirbelsäule).

Stelle dir vor, du schlürfst eine heiße Suppe oder Spaghetti.

Mit dieser Mundhaltung schlürfst du den Atem in dich hinein und lässt ihn wieder gehen.

Du verbindest die Atemzüge miteinander und schlürfst 6 bis 8 Atemzüge in dich hinein.

Dann machst du eine Pause und nach 3- 4 Minuten machst du eine zweite Runde.

Lege dich dann entspannt hin und spüre in den Körper und seine energetische Ladung hinein.

Diese Übung kannst du auch mit deinem Partner zusammen machen. Dabei solltet ihr auf der Seite liegen, die Augen geöffnet halten und an den Händen und Füssen leichten, entspannten Körperkontakt haben.