Tantra

Tantra-Begriffserklärung

Tantra nutzt die Sexenergie als Einstieg für die Entfaltung des spirituellen menschlichen Potentials. Aber Tantra geht weit über die heute praktizierten Turnübungen der üblichen Sexpraktiken hinaus. Denn Spiritualität und Sexualität, das haben buddhistische Mönche in Tibet, die ersten "Tantriker", vor 2000 Jahren herausgefunden, sind die beiden Seiten ein und derselben Energie, die für den inneren Transformationsprozeß genutzt werden kann.


"Wenn du liebst, musst du zu einem Niemand werden. Wenn du ein Jemand bleibst, wir dir die Liebe nie geschehen. Wenn du jemanden liebst, wenn auch nur für einen einzigen Augenblick lang die Liebe eintritt und zwischen zwei Menschen fließt, dann begegnen sich zwei Nicht-heiten, nicht zwei Menschen. Wer je erfahren hat was Liebe ist, der wird dies verstehen. "

Die tibetischen Linien der Sarma teilen das Tantra in vier Klassen auf:

  1. Kriya-Tantra, betont externe rituelle Praktiken wie Waschung, Diät und Fasten
  2. Charya-Tantra, betont gleichermaßen äußeres Benehmen und innere Methoden
  3. Yoga-Tantra, betont innere Methoden des Yoga
  4. Anuttarayoga-Tantra, lehrt spezielle und fortgeschrittenere Methoden der inneren Praxis.

In den Sarma-Schulen des tibetischen Buddhismus ist das Anuttarayoga-Tantra die höchste von vier Klassen und wird mit der Mahamudra-Route zur Erleuchtung verbunden.

Nach der Gelug-Tradition lehrte der Buddha im 'Höchsten Yoga-Tantra' die tiefgreifendsten Instruktionen zur Umwandlung von sinnlichem Vergnügen in den schnellen Pfad zur Erleuchtung, die andererseits von der Fähigkeit abhängt, die inneren Winde (prana) im zentralen Kanal zu sammeln und durch die Macht der Meditation aufzulösen.

 

Was ist Tantra?

Tantra interessiert viele Menschen, besonders auch Menschen, die an ihrem inneren Wachstum interessiert sind. Tantra wird aber auch oft mit Vorurteilen belegt oder löst Ängste aus.  Da Tantra sich mit Themen beschäftigt, die in unserer Kultur immer noch mit Scham und Peinlichkeit belegt sind.

Tantra

In der Öffentlichkeit ist (leider) ein sehr verzerrtes und einseitiges Bild des Tantra entstanden. Meist wird Tantra mit Kamasutra in einen Topf geworfen. Dies hängt zum einen mit dem Mangel an Information zusammen, zum anderen kommt die Darstellung des Tantra in den Medien diesem Gedanken sehr entgegen. Ein Bericht über Tantra mit viel nackter Haut erhöht die Auflage und bringt Quote. Selten bis gar nicht wurde fundiert recherchiert oder seriös berichtet. Menschen, die noch nie ein Tantra-Seminar besucht haben, bekommen so leicht den Eindruck, Tantra sei eine Art esoterischer Swingerclub. Doch wer beim Tantra  den sexuellen Kick sucht, wird enttäuscht sein. Wer sich dagegen auf die Vielfalt der tantrischen Erfahrungen einlässt, kann einen ganz neuen Zugang zu sich selbst und der eigenen Gefühlswelt entdecken. Liebe und Partnerschaft werden gestärkt und können ganz neue unerwartete Blüten tragen.

Tantra zur Geschichte und Herkunft

Aufgrund von archäologischen Funden können wir davon ausgehen, dass die Wurzeln des Tantra bis in die dravidischen Kulturen im Industal (Harappa-Kultur, ca. 3000 v. Chr.) zurück reichen. Entstanden aus dem Kult um die Muttergöttin fand es seine größte Entfaltung im Indien des frühen Mittelalters. Die tantrischen Lehren wurden in Indien mehr oder weniger geheim von einer Generation zur nächsten weitergegeben, zunächst mündlich/praktisch in Form von Ritualen und später in schriftlicher Form als Tantras. Diese Sanskrittexte sind meist Dialoge zwischen Shiva, der personifizierten männlichen Kraft und Shakti, der personifizierten weiblichen Kraft. Die ältesten tantrischen Schriften stammen aus der Zeit um Christi Geburt, einige sind erst im 18. und 19. Jahrhundert gesammelt worden. Sie behandeln wissenschaftliche und metaphysische Fragen, beschreiben Übungen für Körper und Geist, wie Yoga (asana), Meditation, Bilder (yantra), Musik und Klang (mantra) und Gebärden (mudra) und die tantrischen Rituale. Außerdem beschäftigen sie sich mit dem persönlichen und sozialen Verhalten des Menschen und seiner Natur. Das Tantra nutzt die ursprüngliche Lebensenergie (Kundalini-Shakti) für bewusstseinsfördernde und spirituelle Erfahrungen bis hin zur Reinen Seligkeit (ananda).

Aus Indien stammt die Lehre des Tantra (Sanskrit: das Gewebe), die sich ab dem 5. Jahrhundert zuerst in Indien, dann auch in Tibet, Nepal, China, Japan, Thailand und Indonesien verbreitete. Viele Tantra-LehrerInnen haben immer darauf hingewiesen, dass ihre Lehre lediglich eine Fortsetzung der viel älteren altvedischen Erkenntnisse sei.

Ein Grund warum das Tantra bis heute lebendig geblieben und wieder so aktuell ist, ist sein großes Wissen um die menschliche Psychologie. Wer heute einen psychologischen Ratgeber zu Themen wie Beziehung und Sexualität aufschlägt, wird dort viele Übungen finden, die das Tantra schon lange kennt. Umgekehrt nutzen die heutigen Tantra-Schulen gerne das Wissen der modernen Körpertherapie.

Die große Welt der Tantra Lehre möchte eine neue Beziehung zum eigenen Körper herstellen und der ihm innewohnenden stetigen Sinnlichkeit aufbauen. Der Erster Schritt der Tantra Lehre besteht darin, seinen eigenen Körper mit allen Fehlern und Facetten anzunehmen und auch zu akzeptieren. Im Tantra gilt der ganze Körper als Tempel der Seele. Ziel ist es daher, dem Körper und der Seele in eine neue Harmonie, der Tantra Harmonie, zu bringen.
Neben dem hinduistischen Tantra gibt es auch noch ein buddhistisches Tantra.

Tantra gilt heute auch in der spirituellen Szene manchem als anstößig, und zwar aus dem einfachen Grunde, dass Tantra Sexualität voll und ganz bejaht und ein freies und gesundes Verhältnis zu dieser Urkraft in uns als beste Voraussetzung für ein ganzheitliches und spirituelles Wachstum ansieht. Das ist, Jahrzehnte nach der sogenannten sexuellen Revolution, noch immer nicht selbstverständlich. Wer ins Tantra allerdings nicht mehr sieht als exotische Sexualpraktiken irrt gewaltig, denn Tantra ist eine der ältesten und tiefgreifendsten spirituellen Traditionen auf unserem Planeten.


Begründer heutiger Tantraschulen
Die meisten der im Westen heute bekannten Tantraschulen gehen auf den indischen Mystiker Osho zu­rück, der zu­weilen auf sehr provozierende Weise östliche Weisheitslehren und west­liche hu­manistische The­rapie­for­men zusammenbrachte. Von ihm sind die bekannteren Tantraschulen Skydancing (Margo Anand), Orgoville (Gabrielle St. Clair und Mi­chael Plesse) und The Art of Being (Alan Lowen) maßgeblich inspiriert.
Die tantrische Sichtweise hat weitreichende Konsequenzen für alle Bereiche menschlichen Lebens. Besonders jedoch die typischen Spaltungen der westlichen Zivilisation zwischen Geist und Körper, zwischen Sexualität und Spiritualität oder Religion, zwischen Herz und Verstand und zwischen Herz und Sex können sich in einem tiefgreifenden, erlebnisreichen Prozess des Annehmens verwandeln und heilen.


Wo Tantra Anwendung findet
Tantra eignet sich für Menschen, die sich in ihrem ganzen Gefühlsspektrum tie­fer kennenlernen und annehmen lernen wollen, ohne dabei die erotische und sexuelle Dimension des Erlebens auszugrenzen. Tantra ist zwar keine Therapieform im engeren Sinne, hat aber durchaus vielfältige heilsame Wirkungen. Besonders im Bereich des Körperbewußtseins, des sinnlichen Selbstbildes, der Liebes- und Beziehungsfähigkeit und einer gesteigerten Lebendigkeit im Allgemeinen kann Tantra sehr hilfreich sein. Tantra bleibt auch in diesem Bereich undogmatisch. Es werden keine Glaubenssätze gelehrt, sondern konkrete Erfahrungen induziert, dies es dem einzelnen Mann, der einzelne Frau und dem einzelnen Paar ermöglichen, selbstverantwortlich die eigenen Konsequenzen daraus zu ziehen.


Wie wird Tantra heute vermittelt?
Tantrische Aspekte und Methoden finden sich heute jedoch in einer Vielzahl von therapeutischen Ansätzen wieder, ohne dass sie immer als solche benannt werden. Die bekannteren und öffentlich zugänglichen Tantraschulen bieten ihre Seminare meistens in Form von Abendgruppen, Wochenend­kursen oder auch in längeren Trainings an. Dabei kommt ein großes Spektrum an erlebnisaktivierenden Verfahren zur Anwendung wie Körperarbeit, bewusstes Atmen, Encounterstrukturen, Energiearbeit, Tanztherapie, Meditationen, sinnliche Rituale uvm. Der Schwerpunkt kann dabei vari­ieren, aber alle  integrieren dieses mehr in ein ganzheitliches Spektrum von Begegnung und Erfahrung.
Bei allen Tantraseminaren findet kein sexueller Kontakt statt.

 

Tantraseminaare und Kurse, Tantramassage in Zürich, Tantra und Tao für Paare, Singles